25 April 2026, 08:04

Ford-Streik 1973: Wie migrantische Arbeiter:innen Geschichte schrieben

Plakat mit einem britischen Granitarbeiter, der vor einem Berg- und Baumhintergrund steht, mit dem Text "Was unser Freihandel bedeutet - Britischer Granitarbeiter - Die faire Lohnklausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Ford-Streik 1973: Wie migrantische Arbeiter:innen Geschichte schrieben

Ein neues Buch wirft Licht auf einen entscheidenden Moment der deutschen Arbeitsgeschichte. Unter dem Titel "Der Streik half mir, als junger Mensch Kraft zu entwickeln. Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus" erschienen, untersucht es den Ford-Streik von 1973 in Köln – einen Wendepunkt für die Selbstermächtigung migrantischer Arbeiter:innen. Herausgegeben von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis, erkundet der Band, wie dieser Arbeitskampf die migrantische Selbstorganisation prägte und bis heute anti-rassistische Bewegungen beeinflusst.

Am 30. August 1973 eskalierte am Ford-Werk in Köln ein Arbeitskonflikt. Vorwiegend migrantische Beschäftigte legten die Arbeit nieder, um gegen harte Arbeitsbedingungen und anhaltende Schikanen durch Vorgesetzte zu protestieren. Die Streikenden forderten eine zusätzliche D-Mark pro Stunde und berichteten später von gewalttätigen Übergriffen deutscher Kollegen, die während der Auseinandersetzungen von der Polizei gedeckt wurden. Der Konflikt wurde schließlich durch Werksschutz und Sicherheitskräfte niedergeschlagen.

Das Buch ordnet den Ford-Streik in eine Reihe weiterer migrantisch geführter Kämpfe desselben Jahres ein, darunter Proteste bei Pierburg in Neuss und Hella in Lippstadt. Es zeigt, wie diese Konflikte einen Wandel markierten: Migrantische Arbeiter:innen begannen, sich zunehmend gegen Ausbeutung zur Wehr zu setzen. Auch migrantische Frauen – viele mit linksgerichteten Hintergründen – übernahmen Schlüsselrollen in Gewerkschaften und Betriebsräten und sorgten dafür, dass die Streiks breitere Unterstützung fanden.

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Über die historische Aufarbeitung hinaus verbindet das Werk vergangene Kämpfe mit heutigen Bewegungen. Es analysiert aktuelle Konflikte, etwa die der Fahrradkurier:innen in Berlin, und zieht Parallelen zwischen den Forderungen migrantischer Arbeiter:innen damals und heute. Zudem wird die Rolle von Institutionen wie der IG Metall und den Betriebsräten kritisch hinterfragt: Wie effektiv unterstützen sie eigentlich migrantisch geprägte Kampagnen?

Der Ford-Streik von 1973 bleibt ein Meilenstein im Kampf gegen Rassismus und Ausbeutung am Arbeitsplatz. Seine Bedeutung wird in aktuellen anti-rassistischen Debatten neu verhandelt – das Buch liefert dazu frische Perspektiven auf migrantischen Widerstand. Indem die Herausgeber:innen historische und gegenwärtige Kämpfe verknüpfen, dokumentieren sie detailliert, wie kollektives Handeln die Arbeitsrechte marginalisierter Gruppen nachhaltig verändert hat.

Quelle