Europas Flugbranche setzt auf nachhaltige Kraftstoffe – doch die Ziele spalten die Branche
Charlotte KrügerEuropas Flugbranche setzt auf nachhaltige Kraftstoffe – doch die Ziele spalten die Branche
Europas Vorstoß für nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) macht rasche Fortschritte – der Einsatz hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. 2024 stieg der Anteil von SAF am Flugtreibstoff auf 2 %, nach nur 0,6 % im Vorjahr. Doch während die Ziele ambitionierter werden, diskutieren Branchenverbände und Regulierungsbehörden, wie sich Ehrgeiz und praktische Herausforderungen in Einklang bringen lassen.
Die aktuellen EU-Vorgaben sehen vor, dass bis 2025 mindestens 2 % des Treibstoffs an regionalen Flughäfen aus nachhaltigen Kraftstoffen bestehen müssen – bis 2030 soll dieser Wert auf 6 % steigen. Noch strenger sind die Anforderungen für synthetische SAF (eSAF): Ab 2030 müssen sie 1,2 % des Gesamtbedarfs decken, bis 2035 dann 5 %.
Florian Guillermet, Direktor der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA), zeigt sich zuversichtlich, dass die Ziele erreichbar sind. Er betonte, Europa habe das 2 %-Ziel für 2025 bereits erreicht oder sogar übertroffen, und sehe keinen Grund, die Vorgaben anzupassen. Ein namentlich nicht genannter hochrangiger EU-Vertreter unterstützte diese Einschätzung und unterstrich die Bedeutung, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen.
Doch der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) fordert eine Absenkung der eSAF-Quoten. Die Organisation argumentiert, dass begrenzte Verfügbarkeit und hohe Produktionskosten die Ziele unrealistisch machten. Zwar hat die Europäische Kommission eine Lockerung der Vorgaben ausgeschlossen, räumt aber ein, dass die Bezugsmöglichkeiten und Bezahlbarkeit verbessert werden müssten. Derweil plant der Flughafen London-Heathrow als einer der wenigen großen Drehtürme, die 2 %-Marke deutlich zu übertreffen – im kommenden Jahr sollen dort über 5 % SAF eingesetzt werden.
Die EU hält an ihren SAF-Zielen fest, und die Regulierungsbehörden pochen auf Fortschritte – trotz Bedenken der Branche. Da der Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe bereits zunimmt, rückt nun die Frage in den Fokus, wie synthetische Treibstoffe wirtschaftlich tragfähiger werden können. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Fluggesellschaften die verschärften Vorgaben für 2030 und 2035 ohne größere Störungen erfüllen können.






