Willich gedenkt jüdischer NS-Opfer mit bewegender Schülerinitiative
Charlotte KrügerWillich gedenkt jüdischer NS-Opfer mit bewegender Schülerinitiative
Feierliche Gedenkveranstaltung in Willich ehrt jüdische Opfer des NS-Terrors
Mit Gebeten, Musik und von Schülern und Schülerinnen gestalteten Ehrungen gedachte eine würdevoll inszenierte Gedenkveranstaltung in Willich der jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Lokale Verantwortungsträger, Lehrkräfte und Jugendliche kamen zusammen, um sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und deren Lehren für die Gegenwart zu reflektieren. Von Schülern und Schülerinnen entworfene Transparente erinnerten an die Ermordeten, während Redner in ihren Ansprachen vor wachsendem Hass und Gleichgültigkeit warnten.
Der Tag begann mit einem Gebetsgottesdienst in der Schneekapelle, wo Bachs Air eine stille, besinnliche Atmosphäre schuf. Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmer am Holocaust-Mahnmal zur Kranzniederlegung, bevor sie sich im Pädagogischen Zentrum der Schule trafen.
Auf Roll-up-Displays wurden die Schicksale der jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus Willich dokumentiert – eine Darstellung, die viele Anwesende sichtbar berührte. Von Schülern und Schülerinnen gestaltete Transparente nannten die Namen lokaler Opfer, darunter Rosetta und Albert Salm, Lina Wallach und andere. Ein Banner verwies zudem auf einen namentlich nicht genannten ehemaligen Polizisten, der an NS-Verbrechen mitgewirkt hatte, ohne jedoch eine konkrete Person zu benennen.
Max Mamrotski von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sprach über die Verbindungen zwischen dem Holocaust und dem heutigen Antisemitismus. Er rief die Jugendlichen dazu auf, Vorurteile zu hinterfragen und persönliche Verantwortung zu übernehmen. Schulleiterin Andrea Großkraumbach betonte die Bedeutung von Bildung für die Bewahrung demokratischer Werte und den Widerstand gegen Rassismus. Bürgermeister Christian Pakusch mahnte die jungen Menschen, in ihrem Alltag wachsam gegenüber Hass und Gleichgültigkeit zu bleiben. Den Abschluss bildete ein Auftritt von Marc Riedl, der Bodo Wartkes Lied Das Land, in dem ich leben will vortrug – ein Beitrag, der vom Publikum mit lang anhaltendem, emotionalem Stehapplaus bedacht wurde.
Die Gedenkveranstaltung vereinte politische, religiöse und bildungspolitische Akteure, um der Vergangenheit zu gedenken und sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen. Schüler und Schülerinnen spielten eine zentrale Rolle – von der Gestaltung der Ehrungen bis hin zum Zuhören der Appelle für Wachsamkeit. Die Reden und die Musik des Tages unterstrichen das gemeinsame Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus und zur Verteidigung der Menschenwürde.