Wie ein Berliner Theaterstück meine Angst vor Nacktheit auf die Probe stellte
Theo SchulteWie ein Berliner Theaterstück meine Angst vor Nacktheit auf die Probe stellte
Die Angst vor nackten Auftritten hätte mich fast davon abgehalten, ein mutiges neues Theaterstück in Berlin zu besuchen. Die Inszenierung, die sich mit Themen wie Überleben und menschlicher Verbundenheit auseinandersetzt, hinterließ jedoch einen starken Eindruck – trotz meiner anfänglichen Bedenken. Die Erfahrung veranlasste mich sogar, eine Desensibilisierungstherapie auszuprobieren, um meine Ängste direkt anzugehen.
Das Stück selbst war eine faszinierende Mischung aus apokalyptischer Spannung und gemeinschaftlichem Geist. Zwei Stunden lang saß das Publikum wie gebannt da und brach am Ende in tosenden Applaus aus. Doch ein Moment blieb besonders haften: Ein einzelner Zuschauer neben mir brüllte plötzlich ein wütendes Buh auf die Bühne.
Meine Angst rührte vom Ruf des Hauptdarstellers her, der für seine nackten Auftritte und gelegentliche Rollenbrüche bekannt ist. Um dem zu begegnen, schlug mir eine Freundin eine Desensibilisierungstherapie vor. Die erste Übung? Jede Aufführung desselben Schauspielers zu besuchen.
Die Herausforderungen wurden schnell intensiver. Nach Frühling für Hitler als heiterer Unterbrechung bestand die nächste Aufgabe darin, jeden FKK-Strand an Nord- und Ostsee aufzusuchen. Doch ich musste passen, als es hieß: „Mache eine Kreuzfahrt mit Pflichtbesuch bei ‚Heino trifft Rammstein‘.“ Das ging dann doch zu weit.
Die Therapie drängte mich aus meiner Komfortzone, auch wenn manche Übungen schwerer fielen als andere. Das Stück selbst entpuppte sich trotz meiner anfänglichen Nervosität als eine kraftvolle Erkundung von Widerstandsfähigkeit. Ob ich noch einmal eine Aufführung mit nacktem Hauptdarsteller besuchen werde, bleibt ungewiss – doch die Erfahrung hat mich darüber nachdenken lassen, was ich eigentlich verkrafte.






