19 March 2026, 14:05

Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweit geringster Hausarztdichte – doch Lösungen brauchen Jahrzehnte

Balkendiagramm, das die Anzahl der Menschen zeigt, die in Deutschland mit Krebs diagnostiziert wurden, mit begleitendem erklärendem Text.

Mangel an Hausärzten in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweit geringster Hausarztdichte – doch Lösungen brauchen Jahrzehnte

Nordrhein-Westfalens Region Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte pro Kopf

Aktuelle Zahlen des Bundesärzteregisters zeigen: In der Region Westfalen-Lippe kommen nur noch 61 Hausärzte auf 100.000 Einwohner – der niedrigste Wert unter allen 17 kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland. Die SPD kritisiert die Entwicklung scharf und warnt vor einer weiteren Verschärfung der medizinischen Unterversorgung in ländlichen Gebieten.

Die Landesregierung verweist hingegen auf laufende Maßnahmen, darunter die bundesweit erste Landarztquote, die langfristig gegen den Ärztemangel wirken soll.

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Hausärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe immer prekärer Die Knappheit an Allgemeinmedizinern hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt. Fast 20 Prozent der Hausärzte in der Region sind älter als 65 Jahre, während die Gesamtzahl der Niedergelassenen kontinuierlich sinkt. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) räumt die Probleme ein, betont jedoch, dass Lösungen Zeit und eine über Legislaturperioden hinausgehende Planung erfordern.

Als Reaktion auf die Krise führte NRW als erstes Bundesland eine Landarztquote ein. Im Rahmen des Programms haben sich 1.100 Medizinstudierende verpflichtet, nach ihrem Abschluss für ein Jahrzehnt als Hausärzte in unterversorgten Gebieten zu arbeiten. Aufgrund der langen Ausbildungsdauer werden die ersten Absolventen dieser Initiative jedoch erst 2030 in die Praxis starten.

Förderung von Neupraxen – doch die Kritik bleibt Zusätzlich unterstützt das Land seit 2009 im Rahmen eines Hausarzt-Aktionsprogramms die Gründung neuer Praxen. Über 1.000 Arztpraxen in unterversorgten Regionen erhielten bisher Fördergelder, wobei 80 Prozent der Mittel nach Westfalen-Lippe flossen. Trotz dieser Maßnahmen bleibt die SPD skeptisch. Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, bezeichnete die aktuellen Zahlen als "vernichtendes Urteil" über Laumanns Amtszeit als Gesundheitsminister.

Laumann wies die Vorwürfe der Untätigkeit zurück und argumentierte, dass jahrzehntelange Vernachlässigung unter SPD-geführten Landesregierungen zur heutigen Mangellage beigetragen habe. Eine nachhaltige Lösung erfordere langfristiges Engagement statt kurzfristiger Symbolpolitik, so der Minister.

Keine schnelle Entwarnung in Sicht Eine baldige Entspannung der Situation ist nicht absehbar: Die ersten über die Landarztquote gewonnenen Ärzte werden erst in Jahren in den Praxisalltag einsteigen. Angesichts der alternden Ärzteschaft und rückläufigen Praxenzahlen bleibt die medizinische Versorgung in Westfalen-Lippe eine drängende Herausforderung. Die Landesinitiativen laufen zwar weiter – ihre volle Wirkung wird sich jedoch erst im kommenden Jahrzehnt zeigen.

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