Stefan Raabs umstrittener Witz über Gil Ofarim entfacht Antisemitismus-Debatte neu
Theo SchulteStefan Raabs umstrittener Witz über Gil Ofarim entfacht Antisemitismus-Debatte neu
Ein kürzlich ausgestrahlter Beitrag in Stefan Raabs TV-Show hat die Debatte über antisemitische Klischees in deutschen Medien neu entfacht. Der Comedian machte sich über den Musiker Gil Ofarim lustig, indem er Witze über ein "Betrugsgen" und jüdische Habgier riss – ausgerechnet am Internationalen Holocaust-Gedenktag. Die Vorfälle stoßen auf scharfe Kritik, besonders vor dem Hintergrund von Ofarims eigener umstrittenen Vergangenheit: 2021 hatte er fälschlich einen Hotelangestellten des Antisemitismus beschuldigt.
Am 27. Januar 2026 zeigte Raabs Sendung einen vorproduzierten Sketch, in dem Ofarim verspottet wurde. Darin tauchte eine fiktive Figur namens "Onkel Samuel" auf – ein orientalisch dargestellter Mann, der Obst stiehlt –, sowie ultraorthodoxe Juden, die zu Ofarims Musik tanzten. Zudem wurde behauptet, seine Lieder seien nur in der "jüdischen Community" erfolgreich, und es gab ein Spiel mit dem Titel Geld oder Gil, das antisemitische Vorurteile über Täuschung und Geldgier bediente.
RTL nahm den Beitrag später offline und räumte ein, er könne "Missverständnisse" ausgelöst haben. Die Reaktion des Senders erfolgte angesichts wachsender öffentlicher Empörung, doch für Raab gab es keine beruflichen Konsequenzen. Ofarim hingegen, der 2021 mit seiner falschen Anzeige gegen einen Hotelmitarbeiter Schlagzeilen gemacht hatte, war kürzlich bei Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! (Dschungelcamp) zu sehen. Dort weigerte er sich, über den Raab-Vorfall zu sprechen, und berief sich auf eine Vertraulichkeitsvereinbarung. Die anderen Kandidaten bohrten zunächst nach, verloren aber schnell das Interesse.
Das gerichtliche Verfahren gegen Ofarim wegen seiner falschen Vorwürfe von 2021 endete mit einer Geldstrafe; weitere Schritte blieben aus. Während das Dschungelcamp seine Staffel beendet, moderiert Raab weiterhin ungehindert seine Primetime-Show.
Der Konflikt zwischen Raabs spöttischen Angriffen und Ofarims früheren, haltlosen Anschuldigungen offenbart Widersprüche im Umgang mit Antisemitismus in der Öffentlichkeit. RTLs Löschung des Beitrags blieb ohne disziplinarische Maßnahmen gegen Raab, der nach wie vor zu den bekanntesten Moderatoren des Senders zählt. Ofarim verlässt unterdessen die Reality-TV-Bühne – ohne dass seine eigene Rolle oder der generelle Umgang mit jüdischen Stereotypen in der Unterhaltungsbranche abschließend geklärt wären.