09 January 2026, 18:11

Remscheider Debatte: Warum junge Menschen mit der Ausbildung hadern

Schüler in Uniformen stehen auf einem Weg und halten Papiere, während ein Mädchen in ein Mikrofon spricht; im Hintergrund ist eine Umzäunung und ein Schuppen mit Luftballons zu sehen.

Remscheider Debatte: Warum junge Menschen mit der Ausbildung hadern

Eine aktuelle Debatte in Remscheid hat die wachsenden Sorgen über die Einstellung junger Menschen zu Arbeit und Berufsausbildung in den Fokus gerückt. Bei einer Lokalzeit-Stadtveranstaltung am Donnerstagabend diskutierten Experten und Schülerinnen, ob die jüngere Generation mit Motivationsproblemen kämpft – oder schlichtweg unter überwältigendem Druck steht.

Henner Pasch, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), kritisierte junge Arbeitnehmer und Auszubildende für einen nachlassenden Arbeitsethos. Er verwies auf häufige Krankschreibungen und den Trend, dass Bewerber Work-Life-Balance höher gewichten als berufliche Aufstiegschancen. Pasch betonte zugleich, dass auch ältere Generationen in der Pflicht stünden, jungen Menschen zu helfen, ihre Erwartungen an die Arbeitswelt realistischer zu gestalten.

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Die Schülerin Merle – ihr Nachname wurde nicht genannt – brachte in der Diskussion die Perspektive der Jugend ein. Sie nannte strukturelle Herausforderungen wie Inflation, die Nachwirkungen der Pandemie und die Angst vor Altersarmut als prägende Faktoren für ihre Haltung. Daniel Bielecki, Vorsitzender des Remscheider Jugendrats, ergänzte, dass viele Ausbildungen ohne echtes Interesse beginnen und daher nur geringe Bindung zeigen. Dies deckt sich mit bundesweiten Zahlen: Fast 30 Prozent der Azubis brechen ihre Verträge vorzeitig ab, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ermittelt hat. Zum Stichtag 30. September 2025 hatten rund 85.000 Bewerber in Deutschland noch keine Ausbildungsstelle – der Ausbildungsmarkt wird zunehmend schwieriger.

Alexander Lampe vom Remscheider Industrieausbildungszentrum forderte eine bessere Kommunikation zwischen Betrieben und Jugendlichen über die Vorteile einer Berufsausbildung. Hubert Ertl vom BIBB mahnte, die Ängste junger Menschen ernst zu nehmen und ihr Selbstvertrauen zu stärken, statt ihre Bedenken abzutun.

Die Debatte zeigte eine Kluft zwischen generativen Erwartungen und der Arbeitsrealität. Angesichts steigender Abbruchquoten und Tausender ohne Ausbildungsplatz stehen Arbeitgeber und Politiker unter Druck, die zugrundeliegenden Probleme anzugehen. Die Diskussion in Remscheid unterstrich, wie dringend Lösungen nötig sind, die junge Arbeitnehmer unterstützen – ohne die Anforderungen des Arbeitsmarkts aus den Augen zu verlieren.