NRW plant verpflichtende ABC-Klassen – doch Kritik an Sprachkursen wächst
Mia AlbrechtNRW plant verpflichtende ABC-Klassen – doch Kritik an Sprachkursen wächst
Nordrhein-Westfalen führt ab dem Schuljahr 2028/29 verpflichtende Vorschul-Sprachkurse ein
Nordrhein-Westfalen plant die Einführung verpflichtender Vorschul-Sprachkurse, der sogenannten ABC-Klassen, ab dem Schuljahr 2028/29. Das Programm richtet sich an Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen, die über eine landesweite Überprüfung identifiziert werden. Doch lokale Politiker:innen und Expert:innen äußern Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit und möglicher Nachteile für die jungen Lernenden.
Die Landesregierung hatte die ABC-Klassen erstmals im Januar 2026 vorgeschlagen; der Gesetzesentwurf wird derzeit im Landtag beraten. Die Kurse sollen zweimal wöchentlich für je zwei Stunden stattfinden und sich auf Sprache, Kommunikation, motorische Fähigkeiten sowie sozial-emotionale Entwicklung konzentrieren. Sie werden in Schulen, Kitas oder anderen zugelassenen Einrichtungen angeboten – beginnend für Kinder, die ab dem 1. August 2029 eingeschult werden.
Kritik gibt es vor allem am Plan, Kinder für die zusätzliche Förderung aus ihrem gewohnten Kita-Umfeld herauszunehmen. Die Expertin Jessica Schliewe betont, dass Sprachentwicklung am besten in vertrauten Umgebungen gelingt, in denen Kinder stabile Beziehungen aufbauen. Maja Wehrmann warnt, dass das Herauslösen der Kinder aus ihren Gruppen Routinen stören und Stigmatisierungsrisiken bergen könnte.
Simone Lammert verweist auf ein grundlegendes strukturelles Problem: Die ABC-Klassen könnten ein paralleles Fördersystem schaffen, statt die bestehenden Kita-Strukturen zu verbessern. Sowohl CDU als auch Grüne in Solingen befürworten zwar frühkindliche Sprachförderung, setzen sich aber für eine Stärkung der bestehenden Kita-Systeme ein – statt neuer Modelle. Sie fordern eine bessere Abstimmung zwischen Land und Kommunen, um praktikable, integrierte Lösungen zu gewährleisten.
Lokale Politiker:innen betonen, dass unklare Schnittstellen zu bestehenden Systemen eine verlässliche Planung erschweren. Sie drängen auf eine Überarbeitung des Vorschlags, um Ineffizienz zu vermeiden und eine wirksame Unterstützung der Kinder zu sichern.
Ziel der ABC-Klassen ist es, die Sprachkompetenz vor Schulbeginn zu stärken. Doch die Umsetzung stößt auf Widerstand. Die Bedenken konzentrieren sich auf mögliche Störungen der Tagesabläufe, Stigmatisierungsgefahren und die mangelnde Verzahnung mit bestehenden Förderstrukturen. Die Debatte dreht sich nun darum, ob das Land das Modell nachbessern oder lieber in die Ausweitung der bestehenden Kita-basierten Sprachförderung investieren sollte.






