Merz und Krefelds OB liefern sich erbitterten Streit über städtischen Verfall und Migration
Theo SchulteKrefelds Bürgermeister kritisiert Merz und fordert mehr Geld - Merz und Krefelds OB liefern sich erbitterten Streit über städtischen Verfall und Migration
Ein Streit über städtische Herausforderungen ist zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Krefelds Oberbürgermeister entbrannt. Die Auseinandersetzung begann, nachdem Merz den Verfall der Städte mit Europa-Migranten ohne Aufenthaltsstatus oder Arbeit in Verbindung gebracht hatte. Unterdessen wurden auf einem Treffen in Brüssel am 8. Dezember 2025 neue EU-weite Abschieberegeln beschlossen.
Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) konterte scharf und bezeichnete die Fokussierung auf die Herkunft von Europa-Migranten als irreführend. Stattdessen machte er jahrelange Unterfinanzierung für marode Infrastruktur und wachsende soziale Probleme in Städten wie Krefeld verantwortlich.
Der Konflikt eskalierte, als Merz behauptete, dass Europa-Migranten ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus oder Beschäftigung die städtischen Verhältnisse verschlimmerten. Später präzisierte er, die Bundesregierung gehe das Problem durch Abschiebungen an.
Meyer wies diesen Ansatz entschieden zurück. In einem Interview nannte er es absurd, die Herkunft von Menschen herauszugreifen, während tiefgreifendere Probleme ignoriert würden. Er verwies auf Obdachlosigkeit, unbehandelte psychische Erkrankungen und aggressives Betteln als Zeichen einer breiten sozialen Überlastung. Der Oberbürgermeister betonte zudem, dass Reinigungskräfte in einigen Vierteln kaum nachkämen – kaum sei der Müll beseitigt, tauche er erneut auf.
Über die sozialen Missstände hinaus führte Meyer praktische Versäumnisse an: mangelhafte Straßenbeleuchtung, schlechte Straßen und kämpfende lokale Unternehmen. Er argumentierte, dass Städten wie Krefeld die Mittel fehlten, um diese Probleme angemessen zu lösen. Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung aus Berlin werde sich die Lage weiter verschärfen, warnte er.
Parallel dazu präsentierte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf einem Treffen der EU-Innenminister in Brüssel verschärfte Abschieberegeln. Die Maßnahmen umfassen beschleunigte Rückführungen durch EU-Abkommen, Rückkehrzentren in Drittstaaten wie Albanien oder afrikanischen Ländern sowie Sanktionen für abgelehnte Asylbewerber, die sich weigern zu kooperieren. Dazu zählen Kürzungen von Sozialleistungen oder sogar Haft. Zudem wurde ein Solidaritätsmechanismus beschlossen, der 21.000 Asylsuchende auf die Mitgliedstaaten verteilt.
Der Streit zeigt, wie uneins kommunale und bundespolitische Verantwortliche in der Frage sind, wie man den städtischen Niedergang bekämpfen soll. Während Krefelds Oberbürgermeister auf mehr Finanzmittel pocht, verknüpft der Kanzler das Problem mit einer strengeren Europa-Migrationspolitik. Die neuen EU-Abschieberegeln treten nun in Kraft – doch Städte wie Krefeld stehen weiterhin unter akutem finanziellen und sozialen Druck. Ein direkter Zusammenhang zwischen den Äußerungen Merz’ und Dobrindts Abschiebeplänen wurde nicht hergestellt.






