Mainzer Karnevalssitzung schreibt Geschichte mit erster Protokollführerin und scharfer Satire
Mia AlbrechtFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Karnevalssitzung schreibt Geschichte mit erster Protokollführerin und scharfer Satire
Die 71. Ausgabe von "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" ist mit der gewohnten Mischung aus scharfer Satire und Tradition zu Ende gegangen. Die diesjährige Karnevalssitzung im Kurfürstlichen Schloss schrieb Geschichte, indem sie erstmals in fast 200 Jahren eine Frau zur Chefprotokollführerin ernannte. Die vierstündige Show nahm Politiker aufs Korn, blieb dabei aber ihren Wurzeln treu.
Die von Andreas Schmitt moderierte Veranstaltung setzte wie gewohnt auf politischen Humor. Schmitt beendete die Show zudem in seiner Rolle als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms – ein Verweis auf die langjährige Tradition der Sitzung. Zu den Zielscheiben der Spötteleien zählten Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der ehemalige US-Präsident Donald Trump. Ein Witz schlug sogar vor, die Gutenberg-Bibel zu nutzen, um Trumps Ego "luftleer" zu machen.
Christina Grom ging als erste Frau in der Geschichte der Meenzer Fassenacht in die Protokollführung. Ihre gereimten Sticheleien richteten sich gegen die Wehrpflicht und die Bundeswehr und verstärkten den satirischen Biss des Abends. Unterdessen feierte Jürgen Wiesmann sein 25. Jubiläum in der Rolle des beliebten Revue-Charakters Ernst Lustig.
Trotz moderner Akzente blieb die Sitzung ihrem Kern treu: eine Mischung aus spitzen Liedern, Sketchen und Kostümen – ganz wie seit 1952. Während sich die Satire im Laufe der Jahrzehnte von direkten Angriffen auf Einzelpersonen hin zu gesellschaftskritischen Kommentaren gewandelt hat, blieben Politiker wie Angela Merkel, Friedrich Merz oder Robert Habeck häufige Ziele.
Auch die katholische Kirche wurde spielerisch auf die Schippe genommen. Dem (fiktiven) Papst Leo XIV. wurden Glückwünsche ausgesprochen – verbunden mit einem humorvollen Plädoyer für Gleichberechtigung und sogar eine Papst-Nachfolgerin.
Einmal mehr bewies die Karnevalssitzung ihre Beständigkeit als Mainzer Institution. Mit einer rekordverdächtigen Protokollführerin und frischem Material gelang der Spagat zwischen Innovation und Tradition. Die Mischung aus Humor und Gesellschaftskritik festigte ihren Platz als Höhepunkt der Session.






