Kölner Rosenmontagszug meidet Putin – und setzt auf Trump und die Ampelkoalition
Lea KochKölner Karnevalisten verteidigen das Fehlen des Putin-Wagen - Kölner Rosenmontagszug meidet Putin – und setzt auf Trump und die Ampelkoalition
Kölner Rosenmontagszug setzt in diesem Jahr andere Akzente – und verzichtet auf einen Wagen, der Russlands Präsidenten Wladimir Putin karikiert
Stattdessen überlässt die Stadt das brisante Thema dem Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly, dessen satirische Kreationen in Russland bereits juristische Konsequenzen nach sich zogen. Die Veranstalter betonen, die Entscheidung sei nicht aus Angst vor Repressalien gefallen.
In den vergangenen Jahren hatten Kölner Karnevalswagen oft scharfe Angriffe auf Putin gezeigt. Doch diesmal wird der Zug andere Ziele ins Visier nehmen, darunter den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und die zerrüttete deutsche Ampelkoalition. Ein Wagen wird sogar Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) in sadomasochistischen Kostümen darstellen – als Symbol für ihre politischen Grabenkämpfe.
Zugleiter Marc Michelske verteidigte den Kurswechsel als bewusste Entscheidung und nicht als Fehler. Gerüchte, wonach Befürchtungen vor russischer Vergeltung eine Rolle gespielt hätten, wies er zurück. Tilly, bekannt für seine provokanten Entwürfe, sieht sich unterdessen in Moskau mit Strafverfahren konfrontiert – ihm wird vorgeworfen, "Falschinformationen" über die russische Armee verbreitet zu haben. Zwar räumt er ein, dass ihm neue Reisebeschränkungen auferlegt wurden, doch Einschüchterungsversuche fürchte er nicht.
Während Tillys Düsseldorfer Wagen international für Aufsehen sorgen, überlässt der Kölner Zug das Putin-Thema diesmal ganz ihm. Der Wandel unterstreicht die wachsenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und internationalem politischem Druck.
Das Fehlen eines Putin-Motivs in Köln markiert eine bemerkenswerte Zäsur für den Umzug. Tillys juristische Probleme in Russland fügen der Debatte über Satire und Zensur eine weitere Dimension hinzu. Da andere Politiker weiterhin auf der Abschussliste stehen, wird die diesjährige Veranstaltung zeigen, wie weit karnevalistische Traditionen Grenzen ausloten können – ohne selbst zum Ziel zu werden.