04 March 2026, 12:00

Jugendliche in Deutschland haben später ihren ersten Sex – warum dieser Wandel positiv ist

Ein altes Foto von zwei jungen Mädchen, die sich umarmen und küssen, mit Text unten eingerahmt.

Jugendliche in Deutschland haben später ihren ersten Sex – warum dieser Wandel positiv ist

Jugendliche in Deutschland haben ihren ersten Geschlechtsverkehr zunehmend später – das zeigt die aktuelle Forschung. Die 10. Jugendsexualitätsstudie des Bundesamts für Öffentliche Gesundheit (BÖG) belegt einen deutlichen Wandel im Verhalten der jungen Generation innerhalb der letzten sechs Jahre. Expertinnen und Experten führen diese Entwicklung auf bewusster getroffene Entscheidungen in Sachen Beziehungen und Intimität zurück.

Während im Jahr 2019 noch 61 Prozent der Befragten angaben, mit 17 Jahren erstmals sexuell aktiv gewesen zu sein, lag dieses Alter 2025 bei 59 Prozent bei 19 Jahren. Mechthild Paul, stellvertretende Direktorin des BÖG, sieht darin einen Trend, dass junge Menschen ihre Sexualität zunehmend reflektierter gestalten und auf den 'richtigen Moment' warten.

Die Studie zeigt zudem, dass erste sexuelle Erfahrungen heute häufiger im Rahmen fester Partnerschaften stattfinden. So berichteten etwa 65 Prozent der Mädchen und 53 Prozent der Jungen, ihr erstes Mal mit einer Partnerin oder einem Partner erlebt zu haben. Unabhängig vom Geschlecht empfanden rund zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen ihren ersten hetero- oder homosexuellen Kontakt als zum richtigen Zeitpunkt geschehen.

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Beraterinnen und Berater von Organisationen wie der AWO und Pro Familia beobachten, dass sich die Fragen junger Menschen zu Sexualität stärker nach Alter als nach Schulform unterscheiden. Während jüngere Kinder oft Ängste äußern, suchen ältere Jugendliche vor allem praktische Ratschläge zu gesunden Beziehungen und erfüllendem Sex. Nicola Völckel von der AWO weist darauf hin, dass trotz grundsätzlicher Kenntnisse über Verhütung und sexuell übertragbare Infektionen bei manchen Schülerinnen und Schülern noch immer 'halbes oder falsches Wissen' zu Kontrazeption vorherrscht. Pro Familia ergänzt, dass die Vermeidung ungewollter Schwangerschaften für viele nach wie vor im Vordergrund stehe.

In Nordrhein-Westfalen engagieren sich Einrichtungen wie Donum Vitae, AWO, AIDS-Hilfe und Pro Familia weiterhin in der sexualpädagogischen Aufklärungsarbeit an Schulen. Die BÖG-Studie konzentriert sich jedoch vorrangig auf heterosexuelle Erfahrungen, da ihr Auftrag insbesondere die Prävention ungewollter Schwangerschaften umfasst.

Die Ergebnisse unterstreichen den Trend, dass junge Menschen sich mehr Zeit lassen, bevor sie sexuell aktiv werden. Durch besseren Zugang zu Informationen und Beratungsangeboten treffen viele heute fundiertere Entscheidungen in Sachen Beziehungen und Schutz. Sexualberatungsstellen bleiben dabei eine zentrale Anlaufstelle, um Wissenslücken zu schließen und Unsicherheiten abzubauen.