Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest mit System und Witz
Der Komiker Joe Lycett hat seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen – als Protest gegen die aggressive juristische Vorgehensweise des Modekonzerns. Der Schritt folgt auf wiederholte Abmahnungen an kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen, die das Wort "Boss" in ihren Namen verwenden. Lycetts Entscheidung lenkt die Aufmerksamkeit auf einen langwierigen Streit um die Markenrechtspolitik des Luxuslabels.
Hugo Boss, 1924 gegründet, hat ein globales Imperium aufgebaut und erzielte 2018 einen Umsatz von über 2,3 Milliarden Pfund. Doch die Geschichte des Unternehmens bleibt umstritten. Firmengründer Hugo Ferdinand Boss trat 1931 der NSDAP bei und lieferte während des Zweiten Weltkriegs Uniformen für die SS – hergestellt unter Zwangsarbeit. Erst 2011 entschuldigte sich die Marke öffentlich für ihre Rolle im Krieg, nachdem eine historische Studie ihre Verstrickung bestätigt hatte. Seither wurden Maßnahmen ergriffen, darunter die Finanzierung von Forschung zu NS-Zwangsarbeit und die Aufarbeitung dieser Vergangenheit in der Unternehmens kultur.
In den letzten Jahren ging Hugo Boss verstärkt gegen kleinere Organisationen vor, die das Wort "Boss" nutzen. Die Brauerei Boss Brewing aus Swansea gab Tausende für Anwaltskosten und eine Umfirmierung aus, nachdem sie eine Abmahnung erhalten hatte. Die Wohltätigkeitsorganisation DarkGirlBoss stand unter ähnlichem Druck, als sie versuchte, ihren Namen schützen zu lassen. Lycett, bekannt durch seine Verbraucherschutz-Sendung Got Your Back, wird nun unter seinem neuen, rechtmäßig angenommenen Namen ein Produkt auf den Markt bringen – eine direkte Provokation gegen den Konzern.
Lycetts Namensänderung ist ein bewusster Akt des Widerstands. Er wirft der Marke vor, kleinere Unternehmen einzuschüchtern, während sie von einem Namen profitiere, der mit NS-Kollaboration belastet ist. Der Protest des Komikers fällt zusammen mit der Vorbereitung einer Folge seiner Sendung, die den Konflikt weiter in den Fokus rückt.
Der Rechtsstreit um das Wort "Boss" hat nun eine öffentliche Konfrontation erreicht. Lycetts Schritt zwingt Hugo Boss, sich mit seiner Vergangenheit und seinen aktuellen Praktiken auseinanderzusetzen. Kleine Unternehmen und gemeinnützige Initiativen leiden weiterhin unter den finanziellen Folgen der Markenrechtspolitik des Konzerns – während der Protest des Komikers die Debatte am Köcheln hält.