03 February 2026, 02:04

Jede dritte Apotheke in Deutschland steht vor dem Aus – warum die Krise eskaliert

Ein blauer Hintergrund mit weißer Schrift und einem Logo, auf dem steht: "19 Millionen Amerikaner werden geschätzte 400 USD pro Jahr an Arzneikosten sparen."

Jede dritte Apotheke in Deutschland steht vor dem Aus – warum die Krise eskaliert

Apotheken in Deutschland kämpfen mit steigenden Kosten

Lokale Apotheken in Deutschland kämpfen mit immer größeren finanziellen Belastungen, da die Kosten weit schneller steigen als die staatlich geregelten Gebühren. In den letzten zwei Jahrzehnten sind die Apothekenentgelte lediglich um 3,1 Prozent gestiegen, während die Betriebs- und Personalkosten um 65 Prozent explodiert sind. Mittlerweile ist jede dritte Apotheke bundesweit akut von der Pleite bedroht.

In Bielefeld hat die Krise bereits zu Schließungen geführt. Im Stadtteil Schildesche gab es 2012 noch vier Apotheken – heute ist nur noch eine übrig.

Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), traf sich kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer, um die dramatische Lage zu schildern. Er betonte, wie der unfaire Wettbewerb durch Online-Apotheken die traditionellen Vor-Ort-Apotheken untergräbt. Anders als stationäre Apotheken bieten Online-Anbieter oft keine umfassende pharmazeutische Betreuung – insbesondere nicht bei Nacht- und Notdiensten.

Die Reformpläne der aktuellen Koalitionsregierung haben die Apotheker enttäuscht. Statt der geforderten Gebührenerhöhungen sieht der Entwurf nur eine unbestimmte Verschiebung vor. Zudem fehlt ein rechtlicher Schutz für feste Arzneimittelpreise – eine Regelung, die die Verbraucherkosten stabilisiert und das solidarische Gesundheitssystem stützt. Ein weiterer Streitpunkt ist die mögliche Abschaffung der Präsenzpflicht für Apotheker, was Kritiker als Risiko für die Versorgungsqualität sehen.

Oberbürgermeisterin Dr. Bauer, Juristin mit Expertise im Arzneimittelrecht, sicherte ihre Unterstützung zu. Sie kündigte an, sich auf Bundes- und Landesebene sowie über den Deutschen Städtetag für bessere Rahmenbedingungen für Apotheken einzusetzen. Zudem versprach sie, beim Fachkräftemangel in Bielefelder Apotheken zu helfen.

Die finanzielle Belastung ist kein neues Problem. Seit Jahren kämpfen Apotheken mit stagnierenden Gebühren, während Löhne, Mieten und Beschaffungskosten steigen. Ohne Gegenmaßnahmen warnen Branchenvertreter vor einer Beschleunigung des Apothekensterbens – mit gravierenden Folgen für die medizinische Grundversorgung in den Kommunen.

Das Treffen zwischen Stange und Dr. Bauer ist ein erster Schritt, um auf die Probleme der Apotheken aufmerksam zu machen. Bleiben Reformen bei Gebührenstrukturen und Wettbewerbsverzerrungen aus, drohen weitere Schließungen. Die Zusagen der Oberbürgermeisterin, sich auf höherer Ebene für Veränderungen einzusetzen, geben den Betroffenen zwar Hoffnung. Doch ohne konkrete Taten bleibt die Zukunft des deutschen Apothekennetzes – und damit der Gesundheitsversorgung vor Ort – ungewiss.