08 January 2026, 08:05

Hans-Jochen Wagner blickt besorgt auf Kreuzbergs verlorene Seele

Graffiti-bedeckter Zug mit sichtbaren Kabeln, Häuser mit Fenstern im Hintergrund.

Hans-Jochen Wagner blickt besorgt auf Kreuzbergs verlorene Seele

Hans-Jochen Wagner, prominent vor allem als Kommissar Friedemann Berg im Tatort, hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten den dramatischen Wandel in Berlins Kreuzberg hautnah miterlebt. Obwohl er die Stadt 2002 verließ, ist seine tiefe Verbindung zum Viertel geblieben – und mit ihr seine Sorgen um dessen Zukunft. Nun spricht er offen über die Kräfte, die den Ort prägen, den er fast 25 Jahre lang sein Zuhause nannte.

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In den späten 1970er-Jahren zog Wagner nach Kreuzberg, wo er mit seiner Frau, der Schauspielerin und Regisseurin Nana Neul, eine Wohnung teilte. Damals war der Bezirk ein lebendiger Treffpunkt für Künstler, Studierende und Menschen am Rande der Gesellschaft. Er erinnert sich an ein pulsierendes Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Ideen, eine Gemeinschaft, die sich intensiv mit sozialen Fragen auseinandersetzte.

Heute sieht er, wie dieser Charakter des Viertels zunehmend verschwindet. Steigende Mieten und Gentrifizierung haben viele derjenigen verdrängt, die einst das Gesicht Kreuzbergs prägten. Dieser Wandel macht ihm zu schaffen, besonders die nachlassende bürgerliche Teilhabe. Immer mehr Anwohner, so seine Beobachtung, ziehen sich ins Private zurück, statt sich für gemeinschaftlichen Wandel einzusetzen. Neben seiner Schauspielkarriere – seit 2017 als Ermittler im Schwarzwald-Tatort – bleibt Wagner politisch aktiv. Als Unterstützer der Grünen betont er die Notwendigkeit, gesellschaftliche Ungleichheiten zu bekämpfen. Für ihn stehen Kreuzbergs Probleme exemplarisch für größere Veränderungen im städtischen Leben, bei denen Bezahlbarkeit und sozialer Zusammenhalt zunehmend auf dem Spiel stehen.

Wagners Reflexionen zeigen, wie schnell das soziale Gefüge Kreuzbergs bröckelt. Die sich wandelnde Bevölkerungsstruktur und schwindende politische Initiative verweisen auf tiefgreifende Herausforderungen für Städte unter Druck. Seine Bedenken mahnen, wie rasant sich die Identität eines Ortes verändern kann – und was dabei unwiederbringlich verloren geht.