Gräfrath-Marktfest in Solingen führt Eintrittsgeld ein – Senioren fühlen sich ausgeschlossen
Charlotte KrügerGräfrath-Marktfest in Solingen führt Eintrittsgeld ein – Senioren fühlen sich ausgeschlossen
Erstmals Eintrittsgeld: Gräfrath-Marktfest in Solingen löst Debatte über soziale Gerechtigkeit aus
Das Gräfrath-Marktfest, eine langjährige Tradition in Solingen, führt nach fast 50 Jahren erstmals ein Eintrittsgeld ein. Die Gebühr von 10 Euro hat Kritik ausgelöst – insbesondere beim Solinger Seniorenbeirat, der bemängelt, dass die Kosten ältere Mitbürger mit festem Einkommen unangemessen ausschließen. Für viele Senioren war das Fest stets ein zentraler sozialer Treffpunkt, der Austausch und Gemeinschaftsgefühl ermöglichte.
Besonders die Arbeitsgruppe „Altersarmut“ des Seniorenbeirats zeigt sich besorgt über die neue Regelung. Sie verweist darauf, dass Altersarmut in Solingen ein wachsendes Problem ist und viele ältere Menschen mit knappen Budgets auskommen müssen. Ein Eintrittspreis von 10 Euro – mit nur 2 Euro Rückerstattung als Essensgutschein – sei für diejenigen, die bereits an Grundbedürfnissen sparen müssten, schlicht zu hoch.
Die Veranstalter rechtfertigen die Gebühr mit steigenden Sicherheitskosten. Kritiker hinterfragen jedoch, ob die Besucher die volle finanzielle Last tragen sollten. Der Seniorenbeirat argumentiert, dass ein einziger kostenloser Familientag am Sonntag älteren Menschen, die allein leben, kaum helfe – sie bräuchten vielmehr durchgängigen Zugang zum Fest.
Die Diskussion geht über das Marktfest hinaus und berührt grundsätzliche Fragen zur Bezahlbarkeit von Gemeinschaftsveranstaltungen. Der Beirat schlägt Alternativen vor, etwa gestaffelte Preise, Seniorenermäßigungen oder höhere städtische Zuschüsse, um die Inklusivität des Events zu erhalten. Ohne solche Maßnahmen, so die Warnung, drohe das Fest seinen Charakter als Begegnungsort für alle Solinger zu verlieren.
Für viele ältere Besucher hat das Gräfrath-Marktfest einen hohen sozialen Stellenwert: Es bietet eine seltene Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, Einsamkeit zu bekämpfen und am lokalen Leben teilzuhaben. Die neue Gebühr, so die Kritik, gefährde genau diese Verbindung – und zwar bei jenen, die sie sich am wenigsten leisten können.
Die Einführung des Eintrittsgelds markiert einen Wendepunkt für das Fest und wirft die Frage auf, wer künftig an kommunalen Traditionen teilhaben darf. Ohne Anpassungen könnte die Gebühr die schwächsten Solinger Bürger ausschließen. Der Seniorenbeirat setzt sich weiterhin für Lösungen ein, die finanzielle Notwendigkeiten mit der historischen Rolle des Fests als sozialer Lebensader in Einklang bringen.






