Evoniks Methionin-Sparte kämpft gegen Chinas Produktionsflut und fallende Preise
Mia AlbrechtEvoniks Methionin-Sparte kämpft gegen Chinas Produktionsflut und fallende Preise
Evoniks Methionin-Sparte unter Druck durch Chinas Produktionsboom
Die Methionin-Sparte von Evonik, einst ein zentraler Gewinnträger des Konzerns, steht zunehmend unter Druck durch das rasante Produktionswachstum Chinas. Die Sparte Tierernährung des deutschen Chemiekonzerns steuerte im vergangenen Jahr noch rund 300 Millionen Euro zum Ergebnis bei – doch scharfe Preiseinbrüche und drohende Überkapazitäten trüben die Aussichten. Analysten warnen, dass die künftigen Gewinne des Unternehmens deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben könnten, sollte nicht entschlossen gegengesteuert werden.
Die Probleme begannen mit Chinas aggressivem Vorstoß in die Methionin-Produktion. Bis Anfang der 2030er-Jahre soll die geplante Produktionskapazität des Landes den inländischen Bedarf um das 2,5-Fache übersteigen und den Weltmarkt überschwemmen. Diese Überkapazitäten bedrohen Evoniks lukratives Aminosäuregeschäft, das bereits jetzt mit einem drastischen Rückgang der Preise konfrontiert ist – nach den deutlichen Steigerungen in den Jahren 2021 und 2022.
Die Erwartungen an das operative Ergebnis von Evonik wurden von Analysten deutlich nach unten korrigiert. Die Prognose für 2027 liegt nun bei 1,77 Milliarden Euro – ganze 10 Prozent unter dem Marktconsensus. Die Berenberg Bank reagierte Anfang Januar mit einer Herabstufung der Aktie auf „Verkaufen“ und senkte das Kursziel von 14,60 auf 11,60 Euro. Als Begründung verwies die Bank auf strukturelle Risiken, darunter eine angespannte Bewertung: Trotz eines Kurses nahe dem 52-Wochen-Tief von 12,83 Euro liegt das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) bei über 63.
Die Meinungen am Markt bleiben gespalten. Während die Deutsche Bank und Barclays bei einer „Halten“-Empfehlung bleiben, hat die US-Investmentbank Morgan Stanley die Aktie kürzlich auf „Market Perform“ (neutral) hochgestuft. Einige Analysten fordern nun entschlossene Schritte von der Unternehmensführung – bis hin zu einer möglichen Zerschlagung des Konzerns, um stillgelegte Werte freizusetzen. Ohne Gegenmaßnahmen droht Investoren ein weiteres Abwärtsrisiko in Richtung des Berenberg-Ziels von 11,60 Euro.
Evoniks Methionin-Geschäft, einst eine wichtige Ertragssäule, sieht sich damit einer doppelten Herausforderung gegenüber: sinkende Preise und der Produktionsschub aus China. Die Bewertung des Unternehmens steht weiterhin auf dem Prüfstand, nachdem die Gewinnprognosen für 2026 und 2027 deutlich gesenkt wurden. Anleger beobachten gespannt, wie die Führung auf die veränderten Marktbedingungen reagieren wird.






