04 March 2026, 21:05

Duisburgs vergessene NS-Opfer: 38 Hinrichtungen kurz vor Kriegsende 1945

Ein offenes Tagebuch mit handgeschriebenem Text, das einem deutschen Soldaten gehört, der im Zweiten Weltkrieg gefallen ist.

Duisburgs vergessene NS-Opfer: 38 Hinrichtungen kurz vor Kriegsende 1945

Ein dunkles Kapitel der Duisburger Geschichte wird in einem bevorstehenden Vortrag über NS-Verbrechen wieder aufgegriffen. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurden auf Befehl des Duisburger Polizeichefs 38 Menschen ohne Prozess hingerichtet. Diese Morde, Teil der sogenannten "Endphaseverbrechen" im gesamten Deutschland, kamen erst nach der Befreiung der Stadt durch die Alliierten ans Licht.

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Am 8. März 2023 wird der Historiker Thorsten Fischer im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg über diese fast vergessene Episode sprechen. Sein Vortrag beginnt um 15 Uhr und beleuchtet die Ereignisse des Frühlings 1945, als die Gewalt eskalierte und der Krieg seinem Ende entgegen ging.

Die Hinrichtungen fanden am 21. März und 9. April 1945 statt – angeordnet vom Duisburger Polizeichef Franz Bauer. Die 38 Opfer wurden ohne rechtliches Verfahren getötet. Ihre Leichen wurden zunächst in einem Massengrab auf dem Duisburger Waldfriedhof beigesetzt.

Nach der Einnahme der Stadt durch die Alliierten am 12. April 1945 wurden die Toten exhumiert. Der amerikanische Stadtkommandant verfügte ihre Umbettung auf den König-Heinrich-Platz, der daraufhin zu einer offiziellen Grabstätte umgewandelt wurde. Mit der Zeit wurden diese Gräber als "Russengräber" bekannt – ein mahnendes Zeichen für die NS-Greueltaten in Duisburg.

Die Morde in Duisburg sind Teil eines größeren Musters: Historische Aufzeichnungen verzeichnen 92 dokumentierte Fälle von "Endphaseverbrechen" in Deutschland und Österreich, darunter in Städten wie Leipzig und Chemnitz. Doch viele Details – auch aus Duisburg – sind lückenhaft oder für immer verloren.

Der Vortrag wirft ein Licht auf eine Zeit, in der Willkür und Gewalt ihren Höhepunkt erreichten, während das NS-Regime zusammenbrach. Die Gräber auf dem König-Heinrich-Platz bleiben bis heute ein Mahnmal für die Opfer. Fischers Forschung soll dafür sorgen, dass diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten.