17 March 2026, 22:05

Dresdner Obergraben-Presse: Wie ein Künstlerkollektiv die DDR-Kultur herausforderte

Schwarz-weiß-Zeichnung eines großen Auditoriums mit detaillierter Sitzordnung und Bühnenaufbau, begleitet von gedrucktem Text, der das Theaterdesign beschreibt, aus einem 1912er Berliner Buch.

Dresdner Obergraben-Presse: Wie ein Künstlerkollektiv die DDR-Kultur herausforderte

1978 wurde in einer kleinen Dreizimmerwohnung in Dresden ein ungewöhnliches künstlerisches Experiment geboren. Die Dresdner Obergraben-Presse entstand als Künstlerkollektiv, Druckwerkstatt und Galerie – alles unter den argwöhnischen Blicken der staatlich kontrollierten Kulturpolitik der DDR. Gegründet von Eberhard Göschel, Peter Herrmann und dem Drucker Jochen Lorenz, schuf sie einen seltenen Freiraum für Kreativität in einem streng reglementierten System.

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Das Projekt nahm Gestalt an, als Göschel in ein größeres Atelier umzog und eine leere Wohnung zurückließ. Herrmann, bereits bekannt für seine Arbeit im unkonventionellen Leonhardi-Museum, besaß eine italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908. Diese Maschine, von Bernhard Theilmann restauriert, wurde zum Mittelpunkt der neuen Werkstatt. Lorenz, ein Drucker, der die Routineaufträge wie Fahrpläne satt hatte, schloss sich dem Vorhaben an – auf der Suche nach anspruchsvolleren Projekten.

Das Kollektiv bewegte sich in einer Grauzone – weder völlig unabhängig noch vollständig staatlich gelenkt. Die lokalen Behörden gewährten begrenzte Unterstützung und Subventionen, was der Gruppe ermöglichte, als halb-offizielle Nische zu funktionieren. Zur gleichen Zeit entwickelte der Künstler A.R. Penck seine Theorie Vom Untergrund zum Oberground, die den damaligen Drang nach experimenteller Kunst innerhalb der gegebenen Grenzen widerspiegelte. Penck selbst hatte 1971 die einflussreiche Gruppe Lücke mitgegründet, die sich fünf Jahre später auflöste und eine Lücke hinterließ, die die Obergraben-Presse mit half zu füllen.

Trotz der Beschränkungen des Kalten Krieges veranstaltete die Werkstatt Ausstellungen, produzierte Drucke und förderte künstlerische Kooperationen. Ihre Existenz beruhte auf einem prekären Gleichgewicht: genug offizielle Anerkennung, um zu überleben, und gerade genug Autonomie, um innovativ zu bleiben.

Die Dresdner Obergraben-Presse bestand sowohl als praktische Werkstatt als auch als widerständiger Ort der Kreativität. Sie bot Künstlern wie Göschel, Herrmann und Lorenz eine Plattform, um Normen unter einem repressiven Regime herauszufordern. Ihr Vermächtnis bleibt mit der Fähigkeit verbunden, die Regeln der DDR-Kulturpolitik zu navigieren – und sie gelegentlich zu dehnen.

Quelle