Deutsche Tischtennis-Mannschaft startet ohne Boll in eine ungewisse EM-Zukunft
Theo SchulteDeutsche Tischtennis-Mannschaft startet ohne Boll in eine ungewisse EM-Zukunft
Deutsche Tischtennis-Mannschaft betritt eine neue Ära: Erste Europameisterschaft nach Timo Bolls Rücktritt beginnt am Sonntag
Das Turnier in Zadar, Kroatien, markiert einen Wendepunkt für eine Mannschaft, die einst in Europa dominierte, nun aber mit stärkerer Konkurrenz konfrontiert ist. Während die Herrenmannschaft mit Spielern auf den Weltranglistenplätzen 8, 14 und 15 antritt, haben sich die Erwartungen verändert.
Die Damenriege, angeführt von Junioren-Weltmeisterin Annett Kaufmann, könnte diesmal sogar ihre männlichen Kollegen übertreffen.
Deutschlands Tischtennis-Erbe umfasst neun europäische Mannschaftstitel, sechs WM-Finalteilnahmen und vier olympische Medaillen – alles Errungenschaften aus der Ära Boll und Ovtcharov. Fotos dieser Triumphe schmücken noch immer die Wände des Nationalen Leistungszentrums, darunter Bolls WM-Medaille von 2021. Doch mit seinem Rücktritt ist die Vorherrschaft der Mannschaft nicht mehr selbstverständlich.
Bundestrainer Jörg Roßkopf hat ein klares Ziel vorgegeben: Deutschland soll wieder Europas beste Mannschaft werden. Doch Sportdirektor Richard Prause gibt zu, dass man bei kontinentalen Wettbewerben nicht mehr automatisch mit Siegen rechnen kann. Der vierfache Europameister Patrick Franziska sieht in Frankreich und Schweden aufstrebende Konkurrenten.
Die Damenmannschaft, geführt von Kaufmann und Sabine Winter, geht mit wachsendem Selbstvertrauen ins Turnier. Die Herren um Benedikt Duda, Dang Qiu und Franziska hingegen müssen sich auf härtere Herausforderungen einstellen. Hinter den Kulissen bringt die in Kroatien geborene Bundestrainerin Tamara Boros – letzte Europäerin mit einer individuellen WM-Medaille (2003) – wertvolle Erfahrung in den deutschen Kader ein.
Abseits des Tisches hat das IOC angekündigt, die getrennten Mannschaftswettbewerbe der Männer und Frauen bei Olympia durch ein gemischtes Teamformat zu ersetzen. Diese Änderung spiegelt einen größeren Wandel im Sport wider, auf den sich auch Deutschland einstellen muss, will es an die Spitze zurückkehren.
Das Turnier in Zadar wird zeigen, wie konkurrenzfähig Deutschland ohne seine früheren Stars ist. Eine starke Leistung könnte ein Comeback einläuten, während Schwächen die Übergangsphase der Mannschaft bestätigen würden. Der Fokus liegt derzeit darauf, in einer Sportart, in der neue Rivalen aufgeholt haben, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.






